Archive for May, 2008

Frankenstein vs. Godzilla

Monday, May 5th, 2008

godzilla.jpgEin wenig hat mich Microsofts Werben um Yahoo an japanische Schundfilme erinnert, „Frankenstein kämpft gegen Godzilla“ etwa. Frankenstein alias Microsoft, das Software-Monster aus Redmond, kämpft gegen Godzilla alias Google, die Datenkrake aus Mountain View. Und natürlich geht es, wie immer in schlechten Action-Filmen, um nicht weniger als die Weltherrschaft. Frankenstein alias Microsoft sucht einen Verbündeten namens Yahoo, doch der will nicht. Fortsetzung folgt.

Microsoft, das alternde Monster, droht die Weltherrschaft zu verlieren. Die Marktbeobachter von Gartner Group sagen dem Konzern aus Redmond den Abstieg in die Bedeutungslosigkeit voraus. Betriebssystem-Monster wie Vista, das zu großen Teilen immer noch auf 20 Jahre altem Programmiercode beruht, will keiner wirklich haben, der Umsatz mit Windows fiel im letzten Quartal um 24 Prozent. Der Suchmaschinenanbieter Google dagegen ist der aufgehende Stern, kann inzwischen die Anzeigenpreise im e-Commerce diktieren und verzeichnete im letzten Quartal einen Gewinnsprung um 30 Prozent.

Der Suchmaschine Google scheint also die Zukunft zu gehören, selbst wenn sich Microsofts Suchmaschine „Live Search“ mit der von Yahoo zusammengetan hätte – bei den Nutzern waren beide Suchdienste nur zweite oder dritte Wahl, daran hätte auch eine Hochzeit nicht viel geändert.

Nun gut, könnte man meinen – was interessieren mich Monsterkämpfe in drittklassigen japanischen Action-Filmen. Wer so denkt, den muss man fragen, wer diese Monster eigentlich so groß gemacht hat. Wir waren es, wir haben Microsoft groß gemacht, obwohl es Alternativen zu Windows gibt, wir haben Google groß gemacht, obwohl es auch Alternativen zu Google gibt. Wir- oder genauer: unsere Bequemlichkeit hat dafür gesorgt, dass wir uns jetzt Monsterkämpfe anschauen müssen – und auch die Fortsetzung wird uns wahrscheinlich nicht erspart bleiben.

Kannibal lässt grüßen

Sunday, May 4th, 2008

pub.jpg Trägt man die weltweite Gesamtauflage von Druckerzeugnissen auf einer Zeitachse auf und verlängert den Trend linear, dann wird die letzte Zeitung im ersten Quartal 2043 gedruckt. Dieser Meinung ist jedenfalls der amerikanische Medienprofessor Philip Meyer. Für Deutschland ergeben sich ähnliche Trends. Laut ARD/ZDF-Langzeitstudie Mediennutzung haben die Bundesbürger über 14 Jahren 1980 rund 38 Minuten täglich in einer Tageszeitung gelesen, 2005 nur noch 28 Minuten. Gleichzeitig ist der Fernsehkonsum von 125 auf 220 Minuten gestiegen. Doch dieser Vergleich führt in die Irre, denn der wahre Feind der Printmedien lauert woanders: Die Nutzung des Internets, im Jahr 2000 erstmals erfragt, ist von 13 auf 44 Minuten gestiegen – die höchste Zuwachsrate überhaupt. Den Verlegern der Printmedien bröckeln die Auflagen und die Anzeigen weg. Anzeigen (und nicht der Verkaufspreis der Tageszeitung) finanzieren jedoch die Redaktionsmannschaft und deren Qualität. Es ist zwar noch nicht so, dass Anzeigen 1:1 ins Netz wandern, aber immerhin ist ein Trend erkennbar. Die Verleger scheinen darauf völlig falsch zu reagieren: wo weniger Geld fließt, werden Honorare eingefroren und Redakteure entlassen. Kannibal lässt grüßen: Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Eine kurze Frist zur Besinnung haben die Verleger noch. Denn das Internet bietet noch keine ausreichende Werbefinanzierung für ausschließlichen Online-Journalismus, obwohl immer mehr Leser ins Netz wandern. Kostenpflichtige Netz-Abos oder Archive haben sich bislang nicht bewährt – aber irgendeiner findet bestimmt den Dreh.