Archive for April, 2008

15 Jahre World Wide Web

Wednesday, April 30th, 2008

symbol.jpg Am 30. April 1993 wurde das World Wide Web am Europäischen Labor für Teilchenphysik (CERN) in Genf vorgestellt. Zwar startete der Vorläufer des Internets schon 1969 mit ganzen vier Rechnern – aber es blieb 20 Jahre lang ein Medium für Militärs, Wissenschaftler und Technikfreaks. Bis Tim Berners-Lee kam. Hier ist die ganze Geschichte.

Trialog

Monday, April 28th, 2008

Hab’ heute mit Marion Wolff vom Chillout-Blog einen Beitrag produziert. Während der Techniker meine Versprecher herausschnitt, meinte er, seine Aufträge würden bis nach seiner Pensionierung reichen. Ich meinte, laut Vorschlag der Bundesbank wäre seine Pensionierung aber erst mit 68,5 Jahren akut. Er: “Dann reichen die, bis ich 70 bin, und danach kassiere ich immer noch 30 Jahre Rente.” Ich: “Genau. Und als Trainings- oder Übungsleiter kannst Du noch Dein Arbeitszimmer bei der Steuer absetzen.” Marion: “Genau. Die eine Hälfte als Studiotechniker, die andere Hälfte als Übungsleiter.” Ich: “Da kann man doch noch doppelte Haushaltsführung absetzen.” Marion: “Quatsch. Viel wichtiger ist die Frage, ob Du als Schizophrener auch außergewöhnliche Belastungen geltend machen kannst.” Das konnten wir aber alle drei nicht aus dem Stehgreif beantworten, und deshalb wandten wir uns notgrdrungen wieder unserer Arbeit zu…

Olympia-Sponsoren in der Klemme

Thursday, April 17th, 2008

O jeh, die armen Audi-Manager! Wollten ihren neuen Geländewagen werbewirksam im Basislager am Fuße des Mount Everest präsentieren, wenn die olympische Fackel vorbeikomt. Nun dürfen keine Journalisten hin und aus der schönen Show wird nix. Und chinesische Muskelmänner in Adidas-Klamotten kommen auch nicht so gut. Adidas, CocaCola, Samsung, McDonalds und Volkswagen haben ein Problem: Machen sie als Hauptsponsoren bei den Olympischen Spielen business as usual, kommt das im Westen nicht gut an. Ziehen sie sich zurück, kriegen sie Ärger mit dem IOC und vor allem mit Peking. Eine Zwickmühle. Die ganze Geschichte hat Karl Zawadzky bei DW-World.

“tagesschau.de” im Visier der chinesischen Blogger

Thursday, April 17th, 2008

tagesschau.jpg“Was meinen Sie, soll der Fackellauf abgebrochen werden? Ja – Nein – ist mir egal” – wollten die Macher von Tagesschau.de von ihren Lesern wissen. Normalerweise kommen rund 2.000 Klicks auf eine solche Umfrage, doch diesmal waren es 200.000 – pro Stunde. Das Geheimnis war schnell gelüftet: Über 7.000 chinesische Webseiten erklärten ihren Lesern: “Nehmen Sie sich drei Minuten Zeit und stimmen sie mit ab, teilen Sie der Welt unsere Stimme mit.” Und weil der Durchschnittschinese selten deutsch kann, wurden detaillierte Klickanweisungen direkt mitgeliefert: “Denken Sie daran, klicken Sie nichts Falsches an!” Nachzulesen ist diese Geschichte unter anderem in der chinesischen Auslandszeitung Epoch Times Deutschland.

Derweil macht meine Kollegin Danhong Zhang aus der China-Redaktion Karriere, sie wird neuerdings von immer mehr Fernsehsendern eingeladen, weil sie eine sehr differenzierte Sichtweise hat und nicht schwarz und weiß malt. Um die Gefühlslage der Chinesen zu verstehen, müsse man auch ein wenig in die Historie schauen, meint sie. Tibet war jahrhundertelang ein selbstverwaltetes Gebiet unter dem Protektorat des chinesischen Kaisers, chinesische Prinzessinnen pflegten tibetische Könige zu ehelichen etc.. Als die letzte Dynastie 1912 unterging und die Wirren des Bürgerkriegs ausbrachen, interessierte sich kein Mensch für Tibet. Der damalige Dalai Lama nutzte das, um die Unabhängigkeit Tibets auszurufen. Doch leider versäumte er es, im Völkerbund, dem Vorläufer der Vereinten Nationen, Reklame für sein Land zu machen. Kaum ein Land erkannte den neuen Staat an. So sei zu erklären, dass es die Chinesen 1950 als völlig selbstverständlich angesehen haben, das Land zu annektieren: In ihrem Selbstverständnis habe Tibet schon immer zu China gehört, meint Danhong. Fazit: Beim Mittagessen in der Kantine wird man nicht nur satt, man lernt auch noch was.

Neues in der Blogroll

Wednesday, April 16th, 2008

wortfeld.jpgWer sich für Medien und Netzpolitik interessiert und meine Seite zu langweilig findet, sollte mal bei Wortfeld vorbeischauen. Alexander Svensson ist Journalist und arbeitet beim Norddeutschen Rundfunk in der Online-Redaktion. Er hat also schon von Berufs wegen eine größere Affinität zur Blogsphäre und zur Netzpolitik, während ich mehr oder weniger ein Gelegenheitstäter bin. Gleichwohl bezeichnet er seinen Blog als rein privat. Was er schreibt, “muss und wird daher nicht notwendigerweise mit den Ansichten meines Arbeitgebers übereinstimmen”.

Oberhalb der Stammtischkante

Monday, April 14th, 2008

rolf.jpg Nun muss ich mal zwei Themen miteinander vermischen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, aber immerhin einige Kommentare und etwas Leben in die Bude gebracht haben: Der Fackellauf zu den Olympischen Spielen und die blöden und unpolitischen deutschen Blogger. Erstes Thema hat Gabi F. mit dieser wunderschönen Fotomontage abschließend behandelt, wobei sie allerdings auf ein Foto zurück gegriffen haben muss, was etwa Anfang des 14. Jahrhunderts entstanden ist.

Zweitens muss ich noch einige Bemerkungen loswerden, die Markus Beckedahl, der den Blog Netzpolitik.org betreibt, zur vergleichenden Untersuchung der deutschen und der amerikanischen Blogspäre gemacht hat. Ein Argument des Netzpolitik.org-Betreibers darf man m. E. nicht gelten lassen, nämlich dass die amerikanische Bevölkerung dreimal so groß ist wie die unsrige und es deshalb völlig klar sei, dass es dort mehr politische Blogs gebe. Das stimmt zwar, aber Prozentzahlen sind genau dafür geschaffen, solche absoluten Unterschiede vergleichbar zu machen, indem sich eben alles auf 100 Einwohner bzw. Blogs bezieht. Insofern ist der Vergleich 0,5 Prozent politischer Blogs hierzulande zu fünf Prozent in den USA für sich genommen richtig, methodisch kann man den Autoren der Studie in dieser Beziehung keinen Vorwurf machen. Recht hat Markus Beckedahl allerdings mit seiner Kritik an der Wahl der Begriffe, die für die Ermittlung des Politisierungsgrads herangezogen worden sind. Die Untersuchung wäre ein Jahr später, also 2007, mit den Begriffen Schäuble, Bundestrojaner und Vorratsdatenspeicherung ganz anders verlaufen. Womit bewiesen wäre, dass sich der Politisierungs- und damit auch der Reifegrad einer Blogsphere nicht einfach durch quantitative Methoden ermitteln lässt.

Bleibt die Frage, was beide Themen miteinander zu tun haben. Ob Olympia-Boykott oder das angekratzte Selbstbewusstsein der deutschen Bloggerszene – die Diskussion flacht nach einer Weile ab und bewegt sich knapp oberhalb der Stammtischkante. Aber das muss überhaupt nicht schlimm sein, finde ich. Der Kölner hat dafür einen Spruch: Irjendwann isset äwe och joot.

Deutsche Blogger – unpolitisch und unreif?

Saturday, April 12th, 2008

screenshot.jpgZwei neue Bände der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung vergleichen die deutschsprachige Blogosphäre mit der US-amerikanischen und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Sabine Pamperrien stellt sie in der Netzeitung vor. Wer’s genau wissen und die beiden Bände bestellen will, wird hier fündig.

Sonderlich relevant scheinen mir die Studien eigentlich nicht. Ich brauche keine hochmögenden Professores, um festzustellen, dass “deutsche Blogger und Journalisten häufig aggressiv und [selten] fruchtlos” miteinander diskutieren – wenn sie es denn überhaupt tun (das “selten” muss der Autorin in den Text gerutscht sein, vielleicht meinte sie “selten fruchtbar”). Dass sich Journalisten selten für Blogs interessieren, liegt auch auf der Hand: sie sind damit beschäftigt, Content für ihr Medium zu poduzieren und haben selten Zeit, nach links oder rechts zu schauen. Und was besagt die maschinelle Auswertung bestimmter Schlagwörter, wonach politische Inhalte in deutschen Blogs nur zu 0,5 Prozent vorkommen, in den USA jedoch immerhin in fünf Prozent aller Blogs? Kann man daraus auf einen bestimmten “Reifegrad” der Blogszene schließen? Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass Amerikaner selten von Angesicht zu Angesicht über Politik und Religion sprechen (das ist geradezu ein Tabu). Da ist es naheliegend, sich verstärkt darüber in Blogs auszulassen. Die Deutschen haben da ihre Kneipe (obwohl da auch selten etwas Vernünftiges bei rumkommt…)

Gefälschtes Interview im ARD-Magazin Polylux platziert

Friday, April 11th, 2008

Schöne Geschichte: Die ARD-Lifestylesendung „Polylux“ ist einer Fälschung des „Kommando Tito von Hardenberg“ aus dem Umfeld der Hedonistischen Internationalen aufgesessen. Das Magazin strahlte am Donnerstag einen Beitrag über die „Alltagsdroge Speed“ aus. Der dort gezeigte Speed-User „Tim“ ist eine Erfindung des Kommandos. Er mag in Wirklichkeit gar kein Speed und macht auch keine „Speed-Diät“. Hier Auszüge aus der Pressemitteilung der Hedonisten: “Unser Angriff auf den boulevard-medialen Komplex soll unsere grundlegende Opposition ausdrücken gegen Praktikantenausbeutung und schlechtes Fernsehprogramm; unsere Solidarität gilt all denen, die sich weltweit wehren gegen Staat, Kapital und die ganze andere Kacke. Einem unserer Genossen ist es gelungen, ins Herz der Bestie vorzudringen und nicht nur das Format der Sendung ad absurdum zu führen, sondern auch die von Frau Hardenberg ausgelobten 50 Euro Aufwandsentschädigung der revolutionären Sache zuzuführen.
Wir fordern:
– die Abschaffung von Ausbeutung und Unterdrückung,
– mehr Klang, weniger Sucht und
– ein dreizehntes Monatsgehalt für die Arbeiterinnen und Arbeiter der Schiffabwrackungsindustrie von Bangladesh.”

Brauchen wir die olympische Fackel?

Thursday, April 10th, 2008

Marion Wolff hat auf chillout.blog darauf hingewiesen, dass der Fackellauf eine Idee der Nazi-Propaganda war. Das musste ich kommentieren: “Im Nachhinein kann man der schwülstigen Nazi-Propaganda eines Carl Diem noch dankbar sein. So ein (völlig verrückter und überflüssiger) Fackellauf bietet immerhin genug Gelegenheiten für einige Nadelstiche in Richtung Peking – und die lassen sich nicht alle geheimhalten. Deshalb finde ich es auch richtig, von einem Boykott abzusehen. Erstens bringt das nichts, wie die Vergangenheit gezeigt hat (es sei denn, irgendein auflagengeiler Historiker verträte die aberwitzige These, der Boykott der Olympischen Spiele in Moskau habe den Fall des Eisernen Vorhangs verursacht), zweitens würde ein Boykott den Chinesen die Möglichkeit geben, sich als Opfer westlicher Arroganz zu stilisieren, und drittens bieten die Spiele selbst genug Gelegenheiten für Meinungsäußerungen. Bei den Schwimmern könnten safrangelbe Bademäntel auftauchen, die an tibetische Mönchskutten erinnern, Athleten könnten bei der Siegerehrung weiße Schals tragen – das Erkennungszeichen des Dalai Lama. Das setzt natürlich voraus, dass das Internationale Olympische Kommittee IOC seine Athleten wie Menschen bahandelt, die ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben – aber das sehe ich noch nicht. Für die Funktionäre des IOC sind Athleten Material für den Zirkus, und der Zirkus bringt Kohle, und für die Entscheidung, wo sich der Zirkus als nächstes niederlassen darf, kann man sich prima schmieren und den nächsten Puffbesuch bezahlen lassen. Sollte das Material aufmüpfig werden und eine Meinung äußern, muss man ihm leider die Medallien aberkennen… Ziemlich verlogen, das Ganze.”

Wer bezahlt die Milliarden-Abschreibungen?

Thursday, April 10th, 2008

Quelle: WestLBDie globale Finanzkrise ist auch an den deutschen Banken nicht spurlos vorüber gegangen, viele Institute mussten und müssen Milliardenbeträge abschreiben – wie in den USA, wie in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Doch hierzulande sind auch öffentlich-rechtliche Institute betroffen. Soll der Steuerzahler denen bei einer Schieflage aus der Patsche helfen?
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