Archive for February, 2008

Schlechte Gewohnheiten – zum Verfall des Dollars

Wednesday, February 27th, 2008

dollar.jpeg Der Euro ist so teuer wie nie: Der Kurs der Gemeinschaftswährung hat heute (27.2.) erstmals die psychologisch wichtige Rekordmarke von 1,50 Dollar überschritten. Am Vormittag kostete ein Euro im europäischen Handel 1,5087 Dollar. Damit lag er mehr als ein Cent über seinem bisherigen Rekordhoch vom November. Und vieles spricht dafür, dass sich so schnell nichts an der aktuellen Dollarschwäche ändert.

(more…)

Nachhilfe für IT-Sicherheit

Thursday, February 21st, 2008

„Lasst die Ausländer ihre Kühe auf unsere Weiden stellen – melken werden wir sie.“ Dieser blumige Ausspruch wird dem ehemaligen chinesischen Staatsführer Deng Xiaoping zugeschrieben. Deutlicher wurde Russlands Ministerpräsident Vladimir Putin in einer Rede am 19. Oktober 2007: „Unser Nachrichtendienst muss seine Anstrengungen verstärken, um die russische Wirtschaft und die Interessen russischer Unternehmen im Ausland aktiver zu unterstützen.“

Keine Frage: Viele Staaten betrachten Wirtschaftsspionage als ganz selbstverständliche Aufgabe ihrer Geheimdienste. Auch das Know How deutscher Mittelständler ist begehrt. Laut einer Umfrage der Result Group unter 800 deutschen Firmenchefs waren über die Hälfte in den vergangenen zwei Jahren Ziel einer Wirtschaftsstraftat. In 13 Prozent der Fälle war sämtliches Know How geklaut worden – was einen Mittelständler durchaus die Existenz kosten kann. Schätzungen über den mutmaßlichen wirtschaftlichen Schaden schwanken zwischen 20 und 50 Milliarden Euro jährlich – etwa 5.000 Arbeitsplätze sollen pro Jahr durch Wirtschaftsspionage in Deutschland verloren gehen.

Die Industrie- und Handelskammern bieten deshalb verstärkt Informationsveranstaltungen zum Thema Wirtschaftsspionage und IT-Sicherheit an. Und die sind gut besucht angesichts von Schlagzeilen wie: „Chinesischer Trojaner im Kanzleramt gefunden.“ Ich habe mal eine solche Veranstaltung in Nürnberg besucht.
(more…)

Durchlaucht sind erbost

Tuesday, February 19th, 2008

burg.jpg
Die Burg von Liechtenstein, Tummelplatz für russische Kriminelle, italienische Mafiosi und deutsche Manager

Seit Tagen muss ich mich mit dieser Zumwinkel-Affäre beschäftigen. Der Bundesnachrichtendienst kauft von einem Kriminellen für ein paar Millionen eine CD-Rom mit Daten von Kunden einer Liechtensteiner Bank. Als erstes greift man sich den prominentesten mutmaßlichen Steuersünder, Post-Chef Klaus Zumwinkel. Ein ZDF-Reporter steht morgens um 7:00 Uhr vor dem in Nebel getauchten Posttower in Bonn, um über die Razzia live zu berichten. Woher hat er diese Information?

Auf der Regierungspressekonferenz lässt der Sprecher des Bundesfinanzministeriums durchblicken, dass es jetzt einigen hundert „Leistungsträgern“, allesamt Liechtensteiner Bankkunden, an den Kragen geht. Die Finanzämter werden angeblich mit einer Welle von Selbstanzeigen überhäuft, weil die nur die Zahlung der Steuerschuld plus Zinsen, aber keine Strafen zur Folge haben.

Die Bild-Zeitung schürt den Hass auf die Raffkes mit dicken Schlagzeilen. Die Kommentatoren sind sich einig: Wenn sich die Linke dauerhaft als fünfte parlamentarische Kraft im deutschen Parteiensystem etablieren sollte, dann hat sie es Managern wie Zumwinkel zu verdanken. Die Bild-Zeitung als Steigbügelhalter von Oscar Lafontaine und Gregor Gysi? Merkwürdige Allianzen…

Gysi und Co. verhalten sich klug, nämlich ruhig. Sie brauchen im Grunde nur die Titelseite der Bildzeitung hochzuhalten, um neue Wähler zu bekommen.

Und jetzt meldet sich auch noch der designierte Nachfolger des Fürsten von Liechtenstein zu Wort: Erbprinz Alois spricht von einem Angriff auf Liechtenstein, von Hehlerei im großen Stil, von illegal beschafften Informationen, er behalte sich rechtliche Schritte vor. Der Mann muss richtig einen an der Kappe haben. Sein Operettenstaat ist eine der größten Geldwaschanlagen Europas, in der sich russische Kriminelle, italienische Mafiosi und eben auch deutsche Manager tummeln. Seit Jahren weigert er sich aus gutem Grund, die europäischen Mindeststandards zur Besteuerung von Zinseinkünften zu unterschreiben – sonst wären nämlich seine Burg nebst Briefkastenfirmen bald pleite. Einlassungen des Herrn Alois von und zu Liechtenstein haben die moralische Qualität eines rumänischen Hütchenspielers.

Was soll’s? Besser den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Der Finanzminister freut sich über den Steuersegen, vier bis fünf Millionen, die der BND gezahlt haben soll, ordentlich im Haushalt verbucht, bringen 400 bis 500 Millionen ein – wenn das kein schlechtes Geschäft ist. Und bis zur nächsten Bundestagswahl ist das Ganze vergessen, vielleicht bleibt die Linke ja doch unter fünf Prozent….

Der Kampf ist verloren

Tuesday, February 12th, 2008

safer internet day logo

Hat es jemand gemerkt? Heute hat zum fünften Mal unter der Schirmherrschaft der EU-Kommissarin Viviane Reding (Informationsgesellschaft und Medien ) in mehr als 40 Ländern der so genannte „Safer Internet Day“ stattgefunden. Ziel war es, über Aktionen und Medienkampagnen die Menschen zu mobilisieren, sich mehr für die Sicherheit im Netz einzusetzen. Die EU-Kommission scheint sich übrigens vom Kampf gegen Viren, Würmer, Trojaner, Keylogger, Spyware, Spam- und Phishing-Mails verabschiedet zu haben. Und c’t-Refakzeur Daniel Bachfeld bestätigt das in einem Interview der Deutschen Welle: „Die Szene hat sich längst professionalisiert, da sind Millionen, wenn nicht Milliarden Dollars unterwegs. Selbst die Hersteller von Antiviren-Software geben zu, dass der Kampf verloren ist. Es ist wie beim Drogenhandel – den wird man auch nicht mehr los.“ Folglich bleibt es bei dem Appell, doch bitteschön wenigstens nicht allzu viel von seiner Privatsphäre im Netz preiszugeben. Das tut in Deutschland mittlerweile jeder Fünfte, bei den unter 30jährigen jeder Zweite. Ich auch: Dieser Blog war sechs Wochen lang tot, weil ich meine Butze renoviert habe, immer öfter an Beerdigungen teilnehmen muss – und ich nicht immer Bock habe, in meinem Blog was neues zu schreiben. Mehr Privates gibt’s aber nicht!