Archive for December, 2006

Jesus rennt über das Wasser…

Saturday, December 23rd, 2006

Auf der Startseite von technorati.com steht seit Wochen ein cooler Spruch: “There are 55 million blogs – some of them have to be good”. Wohl wahr – aber wie finden? In vielen Blogs stehen bestimmt exzellente Beiträge, aber wer findet die URL’s und wer liest das ganze Zeug? Die Träume vom emanzipatorischen Bürgerjournalismus zerplatzen m. E. sehr schnell – mit Blogs sind sie jedenfalls nicht zu realisieren. Denn während ich dies schreibe, kommen pro Minute hunderte von neuen Blogs auf die Welt, und keiner liest sie. Wie auch? Das Ganze kommt mir vor wie ein Kuchenteig, dem die Hefepilze fehlen: er kann nicht aufgehen. Hinzu kommt, dass die meisten Themen von allgemeinen Interesse schon längst durch einschlägige Blogs belegt sind. Jesus ging über das Wasser und keine Sau hätte es erfahren, wenn nicht ein Apostel darüber gebloggt hätte. Schön und gut. Aber wenn 55 Millionen Heilande über das Wasser rennen und alle darüber bloggen, interessiert das keine Sau mehr. Oder irre ich mich da?

Im Mediacoffee-Blog hat Kai Hattendorf einen interessanten Beitrag geschrieben: Was würde Andy Warhol über Web 2.0 sagen? Hier sein Statement:
“1968 – Andy Warhol prägt den Begriff “In the future, everyone will be famous for 15 minutes.”


In der aktuellen Ausgabe des US-Nachrichtenmagazins “Time” wird
Warhol als einer der Urväter des Web 2.0-Gedankens gefeiert.

Was würde Warhol sagen, wenn man ihm heute zu den Möglichkeiten des Web 2.0 befragen würde? Time greift einen der im Web kursierenden Gedanken auf:

“15 minutes has been replaced by a new prophecy: ‘On the Web, everyone is famous to 15 people.’ “

Doch wir sollten noch einen Schritt weiter denken: An die Stelle der reinen (und im Warholschen Sinne kurzlebigen) Popularität tritt im Netz die Relevanz. In einem Umfeld, in dem ein Nutzer aktiv selber aussucht, wer ihm online wichtig ist, lässt sich das Warhol-Zitat noch einmal anpassen:

“On the web 2.0, everyone will be relevant for 15 people.”

Ich bin ein Troll

Friday, December 15th, 2006

Laut Wikipedia ist ein Troll jemand, der in Blogs polemische und provozierende Kommentare und Beiträge ablässt, ohne wirklich am Thema interessiert zu sein. Spreeblick hat mich als Troll bezeichnet – und hat recht. An Feuerzeugen mit der Aufschrift spreeblick.com bin ich nicht wirklich interessiert.

Web 2.0: Eine kleine Auswahl aus 14 Tagen Dezember

Friday, December 15th, 2006

Zuerst die kritischen Stimmen:
Am 13.12. veröffentlicht die  Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Jaron Lainer, einem  renomierten Computerwissenschaflter und Pionier der “virtuellen Realität”. Nach seiner Meinung ist Web 2.0 zwar eine hervorragende Technik und damit die Fortsetzung der Internet-Technologie der frühen Jahre, doch inhaltlich sei Web 2.0 mit all seinen “sozialen Netzwerken” ein eher abstoßendes Phänomen: Blogs z.B. findet er gemein und widerlich, wenn Beiträge in der Anonymität verfasst würden. Die “Weisheit der Masse” funktioniere nur dann, “wenn das Internet genutzt würde, die in der Masse durchaus existierenden wenigen Weisen zu lokalisieren, sie zur Kooperation zu bewegen – und ein gutes Geschäft zu machen”.
Konstruktiv endet hingegen ein Beitrag des Design-Gurus und Usability-Spezialist Jakob Nielsen, auf den der Hightext-Verlag am 6.12. verweist. Nielsen zufolge sind durchschnittlich neun von zehn aller Community-Mitglieder Lurker. Um dieses krasse Missverhältnis abzuschaffen, gibt Nielsen Community-interessierten recht gute Tipps an die Hand. (http://www.useit.com/alertbox/participation_inequality.html)
Jetzt die Optimisten:
„Nur wenige Unternehmen nutzen die Zugkraft ihrer starken Marken, um Konsumenten in Marken-Communities aktiv einzubinden und zu Co-Marketern zu machen.“ Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Brand Science Institute (BSI), in der 1 500 Personen zum Potenzial verschiedener Marken zur Community-Bildung befragt wurden.
Die Studie zeige, dass Marken wie Adidas, Gala von Eduscho, Knorr, Langnese, Nivea, SAP, Smart oder TUI durchaus das Zeug zu starken Brand-Communities hätten, jedoch die meisten Unternehmen vor der mangelnden Kontrollierbarkeit offener Communities zurück schreckten. Zudem würden die Unternehmen häufig bereits an der Suche nach geeigneten Kommunikationsdienstleistern scheitern.
Zuwenig geeignete Kommunikationsdienstleister? Das muß sich auch SinnerSchrader gedacht haben und gab am 18.12. die Gründung einer auf Web 2.0 spezialisierten Unit bekannt.
Und schließlich die Verdiener:
Gerade noch rechtzeitig zum Vorweihnachtsgeschäft startet der Otto-Versand einen Geschenke-Blog, während der „Social-Commerce-Anbieter“ Dealjäger mit seiner Web-2.0-Alternative den klassischen Online-Preisvergleichsdiensten Konkurenz machen will.
Indessen kassierte OpenBC 35 Millionen Euro bei seinem Börsengang und gab sich zufrieden.

Mit Schwachsinn auf Platz Zwei

Friday, December 8th, 2006

Habe mir gerade die deutschen Blogcharts der 49. Woche angesehen. Spreeblick ist mit über 1.700 Permalinks seit Wochen die Nummer zwei. Technisch ausgereift, mit netten Videos, hip und angesagt, weil in Berlin und so, aber inhaltlich ziemlich leer, um nicht zu sagen: schwachsinnig. Neuerdings macht da ein Johnny Reklame für Spreeeblick- Feuerzeuge, Aufschrift: Don’t Panic, Rückseite sehr dezent und klein aufgedruckt: Spreeblick.com. Uff, so ein Zippo brauche ich noch, dann gehöre ich dazu. Herr, lass es Hirn vom Himmel regnen, vielleicht trifft es auch Berlin!

Beatles Love

Friday, December 8th, 2006

Na gut, wir sind alle mehr oder weniger in der Zeit der Beatles aufgewachsen, kennen jeden Takt ihrer Musik. Müssen wir uns diesen Remix namens Love kaufen oder werden da unsere Erinnerungen mit einem Zuckerguss zugeträufelt? Ich bin mir nicht sicher. (Wusste auch gar nicht, dass ich eine Kategorie Musik angefangen und schon zwei Postings dort untergebracht habe).

Rasanter Aufstieg

Thursday, December 7th, 2006
Juhu,
technorati hat meinen Blog von Platz 2.600.000 auf 1.400.000 heraufgestuft, weil irgendjemand namens muckraker einen Permalink auf meinen Blog gesetzt hat. Daraus kann ich nur folgern: Noch zwei, drei Permalinks und ich befinde mich unter den oberen Zehntausend!

Bubble 2.0

Thursday, December 7th, 2006

Jaqueline Pohl hat in Weblife einen schönen Beitrag geschrieben: “Elf Dinge, woran man merkt, in einer Dotcom-Blase zu sein.”

Web 2.0 – die Kehrseiten (II)

Wednesday, December 6th, 2006

Im rpet-Blog habe ich einen Beitrag geschrieben, wie Amateur-Fotografen dank Web 2.0 zu billigen Content-Lieferanten für die Medienindustrie werden. Es kommt noch besser: Yahoo und Reuters bilden eine neue Nachrichten-Plattform namens Witness-News, in der alle Besitzer eines Foto-Handys eingeladen sind, Bilder mit Nachrichtenwert abzuliefern. Nachzulesen in der Online-Ausgabe der New York Times.

(more…)

Ist nur ein Bild…

Tuesday, December 5th, 2006

Blogs – was fehlt im Kuchenteig?

Tuesday, December 5th, 2006

Auf der Startseite von technorati.com steht seit Wochen ein cooler Spruch: “There are 55 million blogs – some of them have to be good”. Wohl wahr – aber wie finden? In vielen Blogs stehen bestimmt exzellente Beiträge, aber wer findet die URL’s und wer liest das ganze Zeug? Die Träume vom emanzipatorischen Bürgerjournalismus zerplatzen m. E. sehr schnell – mit Blogs sind sie jedenfalls nicht zu realisieren. Denn während ich dies schreibe, kommen pro Minute hunderte von neuen Blogs auf die Welt, und keiner liest sie. Wie auch? Das Ganze kommt mir vor wie ein Kuchenteig, dem die Hefepilze fehlen: er kann nicht aufgehen. Hinzu kommt, dass die meisten Themen von allgemeinen Interesse schon längst durch einschlägige Blogs belegt sind. Jesus ging über das Wasser und keine Sau hätte es erfahren, wenn nicht ein Apostel darüber gebloggt hätte. Schön und gut. Aber wenn 55 Millionen Heilande über das Wasser rennen und alle darüber bloggen, interessiert das keine Sau mehr. Oder irre ich mich da?