Archive for the ‘Moneten’ Category

Kannibal lässt grüßen

Sunday, May 4th, 2008

pub.jpg Trägt man die weltweite Gesamtauflage von Druckerzeugnissen auf einer Zeitachse auf und verlängert den Trend linear, dann wird die letzte Zeitung im ersten Quartal 2043 gedruckt. Dieser Meinung ist jedenfalls der amerikanische Medienprofessor Philip Meyer. Für Deutschland ergeben sich ähnliche Trends. Laut ARD/ZDF-Langzeitstudie Mediennutzung haben die Bundesbürger über 14 Jahren 1980 rund 38 Minuten täglich in einer Tageszeitung gelesen, 2005 nur noch 28 Minuten. Gleichzeitig ist der Fernsehkonsum von 125 auf 220 Minuten gestiegen. Doch dieser Vergleich führt in die Irre, denn der wahre Feind der Printmedien lauert woanders: Die Nutzung des Internets, im Jahr 2000 erstmals erfragt, ist von 13 auf 44 Minuten gestiegen – die höchste Zuwachsrate überhaupt. Den Verlegern der Printmedien bröckeln die Auflagen und die Anzeigen weg. Anzeigen (und nicht der Verkaufspreis der Tageszeitung) finanzieren jedoch die Redaktionsmannschaft und deren Qualität. Es ist zwar noch nicht so, dass Anzeigen 1:1 ins Netz wandern, aber immerhin ist ein Trend erkennbar. Die Verleger scheinen darauf völlig falsch zu reagieren: wo weniger Geld fließt, werden Honorare eingefroren und Redakteure entlassen. Kannibal lässt grüßen: Selbstmord aus Angst vor dem Tod. Eine kurze Frist zur Besinnung haben die Verleger noch. Denn das Internet bietet noch keine ausreichende Werbefinanzierung für ausschließlichen Online-Journalismus, obwohl immer mehr Leser ins Netz wandern. Kostenpflichtige Netz-Abos oder Archive haben sich bislang nicht bewährt – aber irgendeiner findet bestimmt den Dreh.

Olympia-Sponsoren in der Klemme

Thursday, April 17th, 2008

O jeh, die armen Audi-Manager! Wollten ihren neuen Geländewagen werbewirksam im Basislager am Fuße des Mount Everest präsentieren, wenn die olympische Fackel vorbeikomt. Nun dürfen keine Journalisten hin und aus der schönen Show wird nix. Und chinesische Muskelmänner in Adidas-Klamotten kommen auch nicht so gut. Adidas, CocaCola, Samsung, McDonalds und Volkswagen haben ein Problem: Machen sie als Hauptsponsoren bei den Olympischen Spielen business as usual, kommt das im Westen nicht gut an. Ziehen sie sich zurück, kriegen sie Ärger mit dem IOC und vor allem mit Peking. Eine Zwickmühle. Die ganze Geschichte hat Karl Zawadzky bei DW-World.

Brauchen wir die olympische Fackel?

Thursday, April 10th, 2008

Marion Wolff hat auf chillout.blog darauf hingewiesen, dass der Fackellauf eine Idee der Nazi-Propaganda war. Das musste ich kommentieren: “Im Nachhinein kann man der schwülstigen Nazi-Propaganda eines Carl Diem noch dankbar sein. So ein (völlig verrückter und überflüssiger) Fackellauf bietet immerhin genug Gelegenheiten für einige Nadelstiche in Richtung Peking – und die lassen sich nicht alle geheimhalten. Deshalb finde ich es auch richtig, von einem Boykott abzusehen. Erstens bringt das nichts, wie die Vergangenheit gezeigt hat (es sei denn, irgendein auflagengeiler Historiker verträte die aberwitzige These, der Boykott der Olympischen Spiele in Moskau habe den Fall des Eisernen Vorhangs verursacht), zweitens würde ein Boykott den Chinesen die Möglichkeit geben, sich als Opfer westlicher Arroganz zu stilisieren, und drittens bieten die Spiele selbst genug Gelegenheiten für Meinungsäußerungen. Bei den Schwimmern könnten safrangelbe Bademäntel auftauchen, die an tibetische Mönchskutten erinnern, Athleten könnten bei der Siegerehrung weiße Schals tragen – das Erkennungszeichen des Dalai Lama. Das setzt natürlich voraus, dass das Internationale Olympische Kommittee IOC seine Athleten wie Menschen bahandelt, die ein Recht auf freie Meinungsäußerung haben – aber das sehe ich noch nicht. Für die Funktionäre des IOC sind Athleten Material für den Zirkus, und der Zirkus bringt Kohle, und für die Entscheidung, wo sich der Zirkus als nächstes niederlassen darf, kann man sich prima schmieren und den nächsten Puffbesuch bezahlen lassen. Sollte das Material aufmüpfig werden und eine Meinung äußern, muss man ihm leider die Medallien aberkennen… Ziemlich verlogen, das Ganze.”

Wer bezahlt die Milliarden-Abschreibungen?

Thursday, April 10th, 2008

Quelle: WestLBDie globale Finanzkrise ist auch an den deutschen Banken nicht spurlos vorüber gegangen, viele Institute mussten und müssen Milliardenbeträge abschreiben – wie in den USA, wie in Frankreich, Großbritannien und der Schweiz. Doch hierzulande sind auch öffentlich-rechtliche Institute betroffen. Soll der Steuerzahler denen bei einer Schieflage aus der Patsche helfen?
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Ausstellung: Radical Advertising

Thursday, April 3rd, 2008

Der Eintrag von G.Frank hat mich sehr neugierig auf die Ausstellung im Museum Ludwig gemacht. Nun muss ich mir aber noch einen zweiten Gang ins Museum vormerken: Die Ausstellung Radical Advertising im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft, Ehrenhof 2, 40479 Düsseldorf, vom 5. April bis 26. August 2008 (Dienstag bis Sonntag 11:00 bis 20:00 Uhr, Freitags bis 24:00 Uhr).

Wer kennt sie nicht, die provozierenden Schwarzweißfotos, beispielsweise von einer ölverschmierten Ente, die die nächsten Stunden nicht überleben wird? Auffallen und Provozieren um jeden Preis – nicht nur das Modelabel Benetton hat Ende des vergangenen Jahrhunderts einen Paradigmenwechsel in der Werbung eingeleitet. Seitdem das Web, Mobilfunk und Instant Messaging zum Alltag gehören, müssen wir uns mit völlig neuen Werbeformen herumschlagen: Buzz-Marketing, Guerilla- und Ambient-Werbung, Web2.0. Die Ausstellung zeigt nicht nur viele dieser Kampagnen, sondern auch kritische Kunstreflexionen von Künstlern wie Jeff Koons, Damien Hirst, Cindy Sherman und Daniel Buetti. Wer die Ausstellung nicht besuchen kann, sollte hier einen virtuellen Rundgang starten.

EZB als Krisenmanager?

Tuesday, March 25th, 2008

Sitzungssaal der EZB, Quelle: EZB An den globalen Finanzmärkten knirscht es heftig. Vor allem die US-Notenbank versucht verzweifelt, die Krise einzudämmen – zum Beispiel durch deutliche Zinssenkungen. Am Donnerstag berät auch die Europäische Zentralbank über die Leitzinsen. Kann und soll sie gegensteuern?
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Unter der Steuerknute

Friday, March 14th, 2008

geld.jpg Im Mittelalter haben die Menschen über den Zehnten gestöhnt, der bekanntlich des Königs war. Ach was waren das für goldige Zeiten! Die OECD hat in dieser Woche einen Ländervergleich der Steuerbelastung herausgebracht. Die Ergebnisse für Deutschland sind beschämend: Gering- und Durchschnittsverdiener werden vom deutschen Steuer- und Abgabensystem am stärksten belastet. Von 100 Euro Arbeitskosten kamen bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener 2007 nur 47,80 Euro an, heißt es in der OECD-Studie. Die restlichen 52,20 Euro wurden an Steuern und Abgaben abgeführt. In den 30 OECD-Staaten ist die Belastung nur in Belgien und Ungarn noch größer. (Eine Zusammenfassung der Studie findet sich hier. ) Mit anderen Worten: Der Steuerstaat quetscht vor allem die Mittel- und Geringverdiener aus, die Reichen werden entlastet. Ab etwa 65.000 Euro Jahreseinkommen ist die Steuer- und Abgabenbelastung in Deutschland regressiv – wer mehr verdient, muss davon immer weniger abgeben. Gut verdienende Singles müssen deutlich weniger abführen als noch im Jahr 2000. Besonders weit über dem OECD-Mittel liegt in Deutschland die Abgabenlast für Alleinerziehende mit geringem Einkommen (zwei Kinder und 2/3 des Durchschnittslohns von 40.000 Euro). Für diesen Personenkreis liegt die Abgabenquote im OECD-Mittel um rund 80% unter deutschem Niveau. Schuld daran hat die so genannte kalte Progression. Sie frisst Lohnerhöhungen teilweise wieder auf, weil Arbeitnehmer mit ihr automatisch in höhere Besteuerungen rutschen. Bei Gering- und Normalverdienern sei deshalb von der Steuerentlastung 2001 von zwei Prozentpunkten wegen der Teuerung und geringer Reallohnzuwächse fast nichts mehr übrig, erklärte die OECD.

Steilvorlage

Thursday, March 6th, 2008

tasteit.JPG Nun hat also auch die Informations- und Kommunikationsbranche das Thema Klimawandel und Umweltschutz entdeckt. Auf der diesjährigen Computermesse CeBIT in Hannover konnte man sich nicht retten vor dem Schlagwort Green IT, der grünen Informationstechnologie. Und, ganz erstaunlich: Jeder, aber auch wirklich jeder namhafte Aussteller bekräftigt, den Umweltschutz und die Verminderung von CO2-Emissionen schon längst zu praktizieren – man habe es nur nicht genügend kommuniziert.
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Green IT – das schlechte Gewissen

Wednesday, March 5th, 2008

cebitfahne.JPG Irgendwie merkt man, dass die Informations- und Kommunikationsbranche in Sachen Umweltschutz und Klimawandel ein enorm schlechtes Gewissen haben muss. Als im vergangenen Frühjahr der G8-Gipfel in Heiligendamm den Klimawandel in die Weltnachrichten brachte, war die CeBIT längst vorbei, und die Branche hatte das Thema komplett verschlafen. Das soll diesmal ganz anders werden. Noch nie ist auf einer CeBIT ein Thema so apodiktisch zum Mega-Thema erklärt worden wie die “Geen IT”, die grüne Infromationstechnologie, die die Branche nach eigenem Bekunden schon längst praktiziert. Mehr…

Schlechte Gewohnheiten – zum Verfall des Dollars

Wednesday, February 27th, 2008

dollar.jpeg Der Euro ist so teuer wie nie: Der Kurs der Gemeinschaftswährung hat heute (27.2.) erstmals die psychologisch wichtige Rekordmarke von 1,50 Dollar überschritten. Am Vormittag kostete ein Euro im europäischen Handel 1,5087 Dollar. Damit lag er mehr als ein Cent über seinem bisherigen Rekordhoch vom November. Und vieles spricht dafür, dass sich so schnell nichts an der aktuellen Dollarschwäche ändert.

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