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Blogroll
Web 2.0: Eine kleine Auswahl aus 14 Tagen Dezember
Zuerst die kritischen Stimmen:
Am 13.12. veröffentlicht die Süddeutsche Zeitung ein Interview mit Jaron Lainer, einem renomierten Computerwissenschaflter und Pionier der “virtuellen Realität”. Nach seiner Meinung ist Web 2.0 zwar eine hervorragende Technik und damit die Fortsetzung der Internet-Technologie der frühen Jahre, doch inhaltlich sei Web 2.0 mit all seinen “sozialen Netzwerken” ein eher abstoßendes Phänomen: Blogs z.B. findet er gemein und widerlich, wenn Beiträge in der Anonymität verfasst würden. Die “Weisheit der Masse” funktioniere nur dann, “wenn das Internet genutzt würde, die in der Masse durchaus existierenden wenigen Weisen zu lokalisieren, sie zur Kooperation zu bewegen – und ein gutes Geschäft zu machen”.
Konstruktiv endet hingegen ein Beitrag des Design-Gurus und Usability-Spezialist Jakob Nielsen, auf den der Hightext-Verlag am 6.12. verweist. Nielsen zufolge sind durchschnittlich neun von zehn aller Community-Mitglieder Lurker. Um dieses krasse Missverhältnis abzuschaffen, gibt Nielsen Community-interessierten recht gute Tipps an die Hand. (http://www.useit.com/alertbox/participation_inequality.html)
Jetzt die Optimisten:
„Nur wenige Unternehmen nutzen die Zugkraft ihrer starken Marken, um Konsumenten in Marken-Communities aktiv einzubinden und zu Co-Marketern zu machen.“ Zu diesem Ergebnis kam eine Studie des Brand Science Institute (BSI), in der 1 500 Personen zum Potenzial verschiedener Marken zur Community-Bildung befragt wurden.
Die Studie zeige, dass Marken wie Adidas, Gala von Eduscho, Knorr, Langnese, Nivea, SAP, Smart oder TUI durchaus das Zeug zu starken Brand-Communities hätten, jedoch die meisten Unternehmen vor der mangelnden Kontrollierbarkeit offener Communities zurück schreckten. Zudem würden die Unternehmen häufig bereits an der Suche nach geeigneten Kommunikationsdienstleistern scheitern.
Zuwenig geeignete Kommunikationsdienstleister? Das muß sich auch SinnerSchrader gedacht haben und gab am 18.12. die Gründung einer auf Web 2.0 spezialisierten Unit bekannt.
Und schließlich die Verdiener:
Gerade noch rechtzeitig zum Vorweihnachtsgeschäft startet der Otto-Versand einen Geschenke-Blog, während der „Social-Commerce-Anbieter“ Dealjäger mit seiner Web-2.0-Alternative den klassischen Online-Preisvergleichsdiensten Konkurenz machen will.
Indessen kassierte OpenBC 35 Millionen Euro bei seinem Börsengang und gab sich zufrieden.
1 Antwort auf “Web 2.0: Eine kleine Auswahl aus 14 Tagen Dezember”
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15.12.2006 bei 22:41
Da ich, wie man diesem Blog entnehmen kann, einigen Auswüchsen von Web 2.0 (nicht der Technik per se!) sehr kritisch gegenüber stehe, halte ich mich mit einem Kommentar zu den kritischen Stimmen zurück. Interessant finde ich allerdings, dass “die meisten Unternehmen vor der mangelnden Kontrollierbarkeit offener Communities zurückschrecken”. Das ist auch irgendwo verständlich: wüste Pöbeleien in einem Marken-Blog können vermutlich sehr viel Schaden anrichten. Andererseits begibt man sich natürlich der Möglichkeit, wie ein Trüffelschwein in Blogs nach den entscheidenden Anregungen zu suchen, die eine Marke weiter bringen. Was früher in aufwendigen und teuer bezahlten Marktstudien herausgefunden wurde, könnte heute in einem gut moderierten Markenblog für die Unternehmen sehr viel schneller und billiger zu haben sein: Des Volkes Meinung und des Volkes Wünsche in Bezug auf die eigene Marke. Aber da müssen andere Überzeugungsarbeit leisten - mein Verhältnis zu Web 2.0 bleibt indifferent.