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Beatles Love
Na gut, wir sind alle mehr oder weniger in der Zeit der Beatles aufgewachsen, kennen jeden Takt ihrer Musik. Müssen wir uns diesen Remix namens Love kaufen oder werden da unsere Erinnerungen mit einem Zuckerguss zugeträufelt? Ich bin mir nicht sicher. (Wusste auch gar nicht, dass ich eine Kategorie Musik angefangen und schon zwei Postings dort untergebracht habe).
4 Antworten auf “Beatles Love”
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8.12.2006 bei 20:27
Je nun, versuche ich es mal: Erster Eindruck: Toller Sound! So möchte ich den gesamte Beatles-Katalog abgemischt haben! Ich gehöre nicht zu den Leuten, die, nur weil sie 1968 auf einem Mono-Plattenspieler abgenudelte Vinyl-Scheiben gehört haben und dabei glücklich waren, diesen Sound auch noch 2006 haben müssen. Gerade bläst mich das Intro von “Revolution” geradezu um. Toll, was in den alten Bändern steckt.
Der hier öfters erwähnte George Martin war der Produzent der Beatles, der diese CD mit Hilfe seines Sohnes produziert hat.
“Love” ist lange nicht so schrecklich, wie ich angesichts diverser Vorbesprechungen befürchtet hatte. Manches erinnert in der Tat an Unsäglichkeiten wie “Stars on 45″, speziell dieses Medley aus Drive My Car/The Word… Das ist so ein bißchen wie eine Oldie-Band (von der nur noch der OriginalBassist lebt), die alte Hits aneinander reiht. Genial finde ich “Strawberry Fields Forever” als Entwicklungsprozeß von Lennons Demo über einen frühen Take bis zur endgültigen Version. Aber Stop! Zum Schluß kommt diese Soundkollage, unter anderem mit Teilen aus dem unsäglichsten Beatles-Stück “Hello Goodbye”. That’s too much! Das Beste mit dem Miesesten zu verquicken - wirklich übel. Lennon haßte solche leichtgewichtigen Nummern von McCartney, und er wird alleine schon dafür George Martin im Jenseits erwarten und dem alten Herrn erstmal die Gitarre über die Rübe ziehen. Nur eine akustische allerdings, eine massive Stratocaster-E-Gitarre (Ich hasse übrigens diesen neumodischen Ausdruck “Stromgitarre”. Nur ganz nebenbei) wäre dann doch zu hart.
“Zuckerguß” gibt es eigentlich nur einmal. “While My Guitar Gently Weeps” in Harrisons Demo-Version - nur seine Stimme mit akustischerer Guitarre - hat George Martin einigermaßen mit Streicher zugekleistert. Das wäre nicht nötig gewesen. Im Gegenteil. Gut gemeint ist das Gegenteil von Kunst. Diese wunderschöne Melodie einfach, im besten Sinne einfach, stehen zu lassen, wäre ein Highlight dieser Scheibe gewesen.
Lassen wir das hier nicht zu lang werden, daher mein Fazit: Für Beatles Fans absolut kaufbar, es gibt wirkliche Gänsehautmomente. Für andere: Nicht schlecht zum Anfüttern: Wenn man das gehört hat und es gefällt, steht einem der komplette Beatles-Katalog offen. Einmal “Rubber Soul” oder “Revolver” am Stück gehört, und “Love” ist vergessen.
8.12.2006 bei 21:13
Wenn wir ehrlich sind: Beatles sind nur noch was für uns (Methusalixe). Eine ganze Pop-Industrie lebt zwar mehr oder weniger von deren Innovationen, z.B. Mehrspurtechnik oder andere Künstler ins Studio einladen (incl. die angeblich spinnefeinden Mick Jagger und co.), aber keiner kann mit Gewalt etwas aufleben lassen, was vor 35 Jahren mal die Welt in Begeisterung versetzt hat. Mein Tipp: Zuhören, genießen und schmunzeln. Als unsrere Kids mit zehn, elf Jahren hinten im Auto gesessen und die vermeintlich neuesten Popsongs gehört haben, waren sie immer wieder bass erstaunt, warum ihre altmodischen Eltern vorne im Auto jeden Hit mitsingen oder mitsummen konnten. Kunststück: Alles nur Cover- Versionen aus den vergangenen Jahrzehnten.
Da scheiden sich übrigens die Geister. Absoluter Hit, was z.B. angejazzte Musik angeht, war vor einigen Jahren US3 - Cantaloop Island. Gespielt vor fast 40 Jahren von Herbie Hankock, jetzt nur neu und tanzbar gesampled. Gunnar Plümer ist ein Klassenkamerad von mir, laut Stuttgarter Zeitung einer der besten Jazz-Basisten in Deutschland überhaupt. Ich sag’ zu ihm: Ist das nicht toll, dass auf diese Weise die Kids mit Jazz bekannt gemacht werden? Er: Schrecklich. Dann lieber gar nicht.
Na gut, es gibt Puristen und es gibt Kölner. (muss ich das auch noch erklären?)
Ich bin Bonner und lasse mir deshalb jede Möglichkeit offen…
9.12.2006 bei 00:34
Je nun, ich kenne die Diskussion. Ein Jazz-Stück mit einem Plastik-Rhythmus unterlegen, dazu ein paarmal “Funky! Funky!” zu labern, vor dem Einsatz der Bläser “Play your funky horns” zu brabbeln - das habe ich damals auch nicht als Offenbarung empfunden, und es hat auch niemanden mit Jazz bekannt gemacht. (Gunnar ist übrigens kein Kölner.) Anyway: Für mich persönlich ist es ziemlich uninteressant, ob irgend jemand die Musik, die ich mag, auch mag. Und bestimmt will ich nicht missionarisch in Bezug auf die nachfolgende Generation sein. Fällt mir als Kinderlosem vielleicht auch relativ leicht. Interessanterweise kenne ich junge Leute deutlich unter 30, die sich für Beatles, The Who, Rolling Stones etc. interessieren, denen Hip Hop, Rap etc. völlig am Allerwertesten (warum schreibe ich nicht “Arsch”? Innere Schere wahrscheinlich.) vorbei gehen. Die Musikinteressen sind heutzutage so vielgestaltig, generationenübergreifend, es gibt alle möglichen Sparten, die von Rundfunk und TV überhaupt nicht bedient werden. Und die Beatles, mit Verlaub, haben bei so ziemlich jedem, der eine Gitarre in die Hand nimmt und versucht, einen Song zu basteln, nach wie vor einen sehr hohen Stellenwert. Man frage mal junge Musiker.
Gag am Rande zum Thema Musikinteressen: ich mußte neulich mal einem jungen Menschen um die 25 klar machen, daß ich keine Volksmusik höre. Er dachte, das sei so ab 50 normal.
9.12.2006 bei 14:21
Klar ist Gunnar kein Kölner - er ist mit mir in Bonn-Poppelsdorf zur Schule gegangen. Kölner leben bekanntlich gut mit dem Motto: Leben und leben lassen. Der rheinische Katholizismus ist bekanntlich das Gegenteil des Puristen. Übrigens fällt mir dabei ein: Der rheinische Katholizismus hat sich bis nach Südamerika fortgepflanzt. Jedenfalls hat dort seinerzeit jeder Regierungschef nur verständnislos mit dem Kopf geschüttelt, als Bill Clinton in den USA wegen seiner Praktikantin in die Bredouille kam. (Uff, schweres ausländisches Wort, habe aber keine Lust, im Lexikon nachzugucken.)