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Unbequeme Wahrheiten
Haben uns am Sonntag im Bonner Woki-Kino Al Gores Dokumentarfilm über den Klimawandel angesehen: “An inconvienient truth”, eine unbequeme Wahrheit. Faszinierend ist, wie Amerikaner einen komplizierten Stoff didaktisch aufbereiten und sich nicht scheuen, Emotionen zu wecken, die fast an’s Pathetische grenzen. Insgesamt kommt der Film nicht über das hinaus, was interessierte Laien ohnehin schon wissen: Wir steuern auf eine globale Katastrophe zu, die nicht wir, sondern unsere Kinder und Enkel in existenzielle Nöte bringen werden. Gegen Ende des Films wurde die Erde als kleines weißes Pixel in einem Klumpen von Galaxien gezeigt. So verlief auch die anschließende Diskussion mit Prof. Dr. Hermann Scheer, SPD-MDB und Träger des alternativen Nobelpreises (Right Livelihood Award), und Ulrich Kelber, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion. Es ging um Kraft-Wärmekopplung in Bonn-Alfter (oder war es Siegburg Lohmar?), ein Pixel auf der Landkarte der Bundesrepublik. Uli Kelber und Hermann Scheer brachten das immerhin auf die bundesdeutsche Ebene, ein Pixel auf der globalen Landkarte. Ganz nett, aber so geht es nicht weiter, wir verlieren zu viel Zeit.
Ich bin Volkswirt (das sind die Leute, die sich mit dem großen Ganzen beschäftigen und sonst von nix eine Ahnung haben). Als Volkswirt denke ich mir: Einen Umschwung, einen globalen Umschwung, der mehr als eine Pixelgröße hat, erreichst Du nur, wenn Du Klimaschuz und regenerative Energien profitabel machst. Nichts ist eine annähernd so starke Triebfeder wie das Gewinnstreben und der Eigennutz des Menschen. Der Stern-Report (englisch Stern Review on the Economics of Climate Change) ist ein am 30. Oktober 2006 veröffentlichter Bericht des ehemaligen Weltbank-Chefökonomen und jetzigen Leiters des volkswirtschaftlichen Dienstes der britischen Regierung Nicholas Stern. Der im Auftrag der britischen Regierung erstellte rund 650 Seiten starke Bericht untersucht insbesondere die wirtschaftlichen Folgen der globalen Erwärmung. Kernaussage: Wer jetzt in Klimaschutz investiert, kann richtig Geld verdienen, wer den Klimawandel ignoriert, wird bis zu 20 Prozent seines Bruttosozialprodukts für die Bekämpfung von Klimaschäden ausgeben müssen. Wenn das nicht ein starkes ökonomisches Argument ist!
1 Antwort auf “Unbequeme Wahrheiten”
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4.12.2006 bei 20:08
Es ist zwar nicht üblich, seinen eigenen Blog zu kommentieren, aber ich habe vergessen, eines hizufügen: Wie Al Gore seine Niederlage bei der Präsidentenwahl gegen George W. Bush dokumentiert hat. Kein Nachtreten, kein wennste hättste und überhaupt. Es bleibt dem Zuschauer überlassen, darüber zu sinnieren, wie sich die amerikanische Geo- und Klimaschutzpolitik verändert hätte, wenn Al Gore Präsident geworden wäre. Hut ab: Al Gore erwähnt den minderbemittelten Caligula der Neuzeit mit keinem einzigen Wort.