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Cloud Computing

Dieser Eintrag stammt von rolf Am 30.7.2008 @ 21:31 In Netzkultur, Moneten, Medien, Web 2.0 | 1 Kommentar

Heute müssen wir uns offenbar an ein neues buzzword gewöhnen: Cloud Computing. Marcus Rohwetter ist in der “Zeit” (Nr. 31, 24. Juli 2008 S. 19) aufgefallen, dass nicht nur Google (mit Earth, Maps etc.), sondern auch reine Verkäufer wie z. B. Amazon inzwischen dazu übergehen, ihre gigantischen Serverkapazitäten auch für normale Rechner- Nutzungen zur Verfügung zu stellen: Daten speichern, Texte schreiben, Bilder bearbeiten und sortieren etc. Schlussfolgerung für Marcus Rohwetter: Die Personalcomputer in den Haushalten sterben aus, das neue Schlagwort heißt [1] Cloud Computing, jede normale Anwendung ist über das Netz abrufbar und kostet nichts, läuft auf den Servern der üblichen verdächtigen Giganten Google & Co - weshalb soll da noch jemand Bill Gates überteuerte Office-Software anschaffen? So erklären sich natürlich auch die verzweifelten Versuche von Microsoft, mit dem Kaufangebot von Yahoo! nicht den Anschluss zu verlieren.

Kurzum: die These vom Cloud Computing besagt, in Zukunft habe niemand mehr einen PC nötig. Alles, was man brauche, könne über das Netz erledigt werden. Zu sieben Cent pro Gigabyte, ohne Vertragsbindung, abgerechnet nur nach tatsächlichem Traffic.

Toll. Doch so sehr ich wünsche, dass der Redmonder Goldesel-Mafia das Handwerk gelegt wird und ich mit klammheimlicher Freude beobachte, wie Bill Gates unter den Achseln schwitzt (was er übrigens immer tut), so wenig kann ich an das neue buzzword Cloud Computing glauben.

Warum? Ganz einfach: Der Mensch will immer etwas Eigenes haben. Das liegt in seiner Natur. Schon vor mehr als zehn Jahren gab es auf der CeBIT in Hannover plausible Vorschläge, die Programme für Büroanwendungen auf dem zentralen Firmenserver vorzuhalten und die Bürorechner nur mit dem Nötigsten auszustatten. Eine gigantische Erleichterung für jeden Administrator, von der Kostenersparnis ganz zu schweigen. Und auf der CeBIT in diesem Jahr wurden auch mal wieder die so genannten “Thin Clients” propagiert - taschenbuchgroße Bürorechnerwinzlinge, die sich all’ die erforderliche Software bei Bedarf aus dem Firmennetz ziehen. Nichts anderes ist das jetzt zur neuen Megawelle erklärte Cloud Computing im weltweiten Netz. Solche Geschichten sind seit über zehn Jahren immer wieder propagiert worden und haben sich immer wieder als Flop herausgestellt. Warum? Der Mensch möchte immer etwas Eigenes haben, etwas, was nur ihm gehört und auch seine Insignien trägt. In den 70er Jahren war ein Ford Capri oder ein Opel Manta erst ein richtiges Auto, wenn er speziell lackiert oder tiefergelegt oder mit einem Fuchsschwanz versehen war. Dann war er erst dem Willi oder dem Hein sein.

Der PC wird also, da wage ich dem “Zeit”-Autor Marcus Rohwetter zu widersprechen, mitnichten verschwinden, nur weil es künftig Rechenleistung aus der Steckdose geben wird wie heute Strom aus der Wand und Wassr aus dem Hahn. Natürlich hat heute keiner einen Brunnen mehr und keinen Generator in seinem Keller. Aber ein geiles Auto in der Garage - das muss immer noch sein.


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[1] Cloud Computing, : http://www.zeit.de/2008/31/Cloud-Computing31

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