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Natur pur
Unser neuer Chevrolet Impala hat Vor- und Nachteile. Beim Fahren kann man zugucken, wie die Tanknadel von full auf empty sinkt - das Ding säuft wie ein Loch. Dafür hat es aber ein Satellitenradio. Wir müssen also nicht mehr rauschende UKW- Sender mit diesem unerträglichen Western- und Country- Gejaule und der vielen Werbung hören. Jetzt fahren wir mit Kanal 72 - “Pure Jazz, serious”, störungsfrei, werbefrei, in digitaler Qualität. Schade, dass sich das nicht in Europa durchgesetzt hat!
Seit Samstag haben wir von Blanding, Utah, auf unserem Weg nach Westen jede Menge Landschaft genossen. Das Natural Bridges National Monument ist ein kleiner Canyon, in dem es mehrere imposante Felsbrücken gibt, die durch Bäche und Flüsse im Laufe der Jahrtausende ausgewaschen wurden. Ein einsamer und ruhiger Naturpark, keine Japaner, keine Amerikaner, nur vereinzelt Deutsche und Franzosen. Dann über Hanksville, einem gottverlassenen Rattenkaff, zum Capitol Reefs Park, einem 160 Km langen Nord- Süd- Gebrigszug mit atemberaubenden Felsformationen in unendlich vielen Farbschattierungen.

Außerhalb des Parks haben wir in Torrey übernachtet, dort ist das Bild vom Boulder View Inn entstanden, dessen Internet- acess so grottig langsam war, dass ich nichts schreiben konnte. Dafür gab es schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite ein Restaurant mit unglaublich guten Steaks (Die Kellnerin: “We have a cut you’ll never find again”). Was ich ihr ernsthaft glaube.
Am Sonntagmorgen nach einem Continental Berakfast, bei dem man unglaublich viel Plastik- und Papiermüll produziert, ging’s weiter auf einer „scenic route“ von Torrey nach Süden über Boulder, Escalante nach Cannonville. Die Straße erinnert an die Voralpen oder die Rocky Mountains, viel Nadelwald, grüne Wiesen und fantastische Ausblicke. Ab und zu eine Vollbremsung wegen einer Kuh oder eines Rehs. Einige Meilen verlaufen auf einem Gebirgskamm, an dem es links und rechts der Straße 300, 400 Meter runter geht, man kommt sich wie auf einem Hochseil im Zirkus vor. In Cannonville geht’s links ab in den Kodachrome Basin State Park, der seinen Namen wegen der tollen Farbkontraste der Felsformationen bekommen hat. Dann weiter zum Bryce Canyon – der ist für meine Begriffe noch beeindruckender als das Monument Valley oder der Arches National Park. Dort stehen tausende von rostrot über lachsrosa bis weiß schimmernde, kopflastige Türmchen, 30, 50, 80 Meter hoch, in einem Halbrund wie in einem Amphitheater, es sind die so genannten Hodoos. Das Wort leitet sich von Vodoo = Unglücksbringer ab. Eine indianische Sage behauptet, dort hätten lauter böse Menschen gewohnt, die die Götter in Stein verwandelt hätten. Leider zog ein Gewitter auf, sodass wir in einem Kaff namens Panguitch im Marannas Inn Zuflucht suchten.
Gewitter sind nachmittags im Sommer in Utah nichts Ungewöhnliches, ein Park- Ranger erzählte uns, dass dadurch pro Jahr ein halbes Dutzend Touristen ums Leben kommen. Und zwar nicht durch Blitzschlag (das ist seltener als ein Sechser im Lotto), sondern durch Wandern in engen Seitencanyons oder Washes (kleine, ausgetrocknete Flusstäler). Da kann ruhig die Sonne scheinen – wenn ein paar Kilometer weiter ein Gewitter mit 10, 20 Litern Wasser pro Quadratmeter runterkommt, schießt plötzlich eine Wasserwand durch die engen Canyons, und dann ist alles zu spät.
Morgen werden wir den Rest des Bryce Canyon nachholen. Damit hat sich unser Annual Pass für 80 Dollar, den wir m Gand Canyon erworben haben und der uns zum kostenlosen Besuch aller amerikanischen Nationalparks innerhalb eines Jahres berechtigt, schon bezahlt gemacht. Und stressfrei wird das Ganze auch noch. Denn leider haben wir in unserem kaputten Mietauto am Freitag die Videokamera vergessen. Der Abschleppdienst behauptet, dort sei keine Kamera gewesen, und wir können ihnen nicht das Gegenteil beweisen. Deshalb habe ich jetzt keinen Stress mehr, eine Unterlage für wackelfreie Videobilder zu suchen…
2 Antworten auf “Natur pur”
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9.7.2008 bei 10:17
Hallo,
was die großen Autos betrifft, da waren die Japaner und die Koreaner (mit Hyundai) wohl schlauer und weitsichtiger als die Amerikaner. Wer weiß, wie gut die Amerikaner über den Rest der Welt eigentlich informiert werden. Nach meinen Kenntnissen ist das nicht so üppig oder besonders objektiv. Jetzt wird wohl die große Umstellung kommen müssen.
Die Fotos sind ganz toll, und die Schilderungen ebenfalls beeindruckend. Vor allem aber jetzt: eine gute und bequeme Heimkehr demnächst.
Renee
9.7.2008 bei 10:37
Vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast recht: hier muss das ganz große Umdenken stattfinden. Momantan sind wir in Las Vegas. Was diese künstliche Stadt in der Wüste an Ressourcen verbraucht (Wasser und Energie), das ist unvorstellbar - bei 13,6 Millionen Touristen im Jahr. Aber irgendwie tragen wir ja - als Besucher . zum wirtschaftlichen Erfolg dieser künstlichen Mega-Stadt bei.