Köhlers Monster-Vergleich: nicht sehr glaubwürdig

Bundespräsident Horst Köhler hat die internationalen Finanzmärkte mit einem Monster verglichen und den Banken Versagen vorgeworfen. Die Finanzwelt habe sich in der Finanzkrise mächtig blamiert, sagte Köhler, der früher Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) war, dem Magazin «Stern». Nach dem Versagen vermisse er seitens der Banken „ein klar vernehmbares mea culpa“ als Schuldeingeständnis.

Eines ist klar: Wenn ein Bundespräsident in einer wöchentlich erscheinenden Illustrierten solche Worte wählt, dann ist das keine unbedachte Äußerung, sondern es steckt eine strategische Absicht dahinter. Und die ist auch leicht zu erkennen: Horst Köhler strebt eine zweite Amtszeit als Bundespräsident an und möchte verhindern, dass die Sozialdemokraten einen Gegenkandidaten aufstellen, also muss er Teile der Sozialdemokratie auf seine Seite ziehen. Doch die Frage ist, wie glaubwürdig seine Kritik am Turbokapitalismus der Banken und der Hedge-Fonds tatsächlich ist. Misst man seine Worte an seiner beruflichen Vita – immerhin war Horst Köhler Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes und später geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds – dann hat seine Kritik durchaus Gewicht.

Glaubwürdig ist sie allerdings deswegen noch lange nicht – zu leicht ist seine strategische Absicht erkennbar. Als Direktor des IWF war er jahrelang der oberste Verfechter der Deregulierung, war einer derjenigen, der das Monster der internationalen Finanzmärkte mit herangezüchtet hat.. Er hätte schon damals versuchen können, dieses Monster in seine Schranken zu weisen und besser zu kontrollieren – wenn er denn damals schon so gedacht hätte, wie er es heute vorgibt.

Freilich kann man Köhler für das Entstehen dieses Monsters nicht verantwortlich machen. In fast allen westlichen Ländern wird politisch eine private, kapitalgedeckte Alterversorgung angestrebt. Deshalb fließen jährlich Milliardenbeträge in die Finanzmärkte. Hinzu kommen neue Global Player, die ihre Rohstoffeinnahmen klugerweise nicht verprassen, sondern in Staatsfonds und andere politische oder institutionelle Anlageformen stecken. Ihnen ist allen eines gemeinsam: Sie sind auf einer gnadenlosen Jagd nach Rendite. Das aber ist geradezu eine Einladung an die Banker, sich immer neue, immer kompliziertere Finanzprodukte auszudenken, eine Einladung, mit den um den Globus vagabundierenden Dollars und Euros eine Blase nach der anderen zu produzieren, immer natürlich immer in dem Glauben, man könne rechtzeitig aussteigen, bevor die Blase platzt.

Wenn sie denn platzt, wird kurzzeitig die Forderung nach mehr Aufsicht und Kontrolle laut. Das klingt gut, ist populär und bleibt meist folgenlos. Und so wird es vermutlich auch diesmal sein.

2 Antworten auf “Köhlers Monster-Vergleich: nicht sehr glaubwürdig”

  1. immekeppel sagt:

    geld und kapital an sich sind ja nichts schlimmes - im gegenteil. was mir allerdings auffällt ist, das der globale kapitalismus langsam in den sozialismus abgleitet - und zwar in den der sozialistischen diktaturen - beinahe gleicher lohn für jedwede arbeit (offenbar angestrebt)und ein paar großkopferte sowie klüngelspezialisten werden stinkend reich dabei…

    und der iwf war mir schon immer suspekt - eine abhängigkeitsmachmaschine (gelästert)und wie heißt es so nett bei goethes zauberlehrling? die geister die ich rief? (wie nett, köhler, der zauberlehrling des großmeisters KAPITALISMUS)

  2. rolf sagt:

    Der IWF hat sich in letzter Zeit sehr gewandelt - übrigens auch und gerade unter der Ära Köhler. Früher hat er seine Kredite stur und nach Schema F am bestimmte Bedingungen geknüpft: Privatisierung, Deregulierung, Haushaltssanierung, harter Sparkurs usw. Das hat in einigen Ländern bekanntermaßen zu Hungerrevolten geführt. Mittlerweile ist der IWF flexibler und weniger hartleibig geworden, er pflegt auch den Dialog mit NGOs. Manche bezeichnen ihn inzwischen auch als Universität mit mit einer besoders großen entwicklungspolitischen Fakultät und angeschlossener Bank. Umso wichtiger wäre es, dass der IWF mal die makroökonomischen Zusammenhänge und Folgen dieser Finanzkrisen untersucht. Es ist ja nicht die erste. 1997 in Südostasien, wenig später in Russland, dann in Argentinien - ich hab’ bestimmt noch einige vergessen.

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