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Deutsche Blogger - unpolitisch und unreif?
Zwei neue Bände der Deutschen Gesellschaft für Online-Forschung vergleichen die deutschsprachige Blogosphäre mit der US-amerikanischen und kommen zu ernüchternden Ergebnissen. Sabine Pamperrien stellt sie in der Netzeitung vor. Wer’s genau wissen und die beiden Bände bestellen will, wird hier fündig.
Sonderlich relevant scheinen mir die Studien eigentlich nicht. Ich brauche keine hochmögenden Professores, um festzustellen, dass “deutsche Blogger und Journalisten häufig aggressiv und [selten] fruchtlos” miteinander diskutieren - wenn sie es denn überhaupt tun (das “selten” muss der Autorin in den Text gerutscht sein, vielleicht meinte sie “selten fruchtbar”). Dass sich Journalisten selten für Blogs interessieren, liegt auch auf der Hand: sie sind damit beschäftigt, Content für ihr Medium zu poduzieren und haben selten Zeit, nach links oder rechts zu schauen. Und was besagt die maschinelle Auswertung bestimmter Schlagwörter, wonach politische Inhalte in deutschen Blogs nur zu 0,5 Prozent vorkommen, in den USA jedoch immerhin in fünf Prozent aller Blogs? Kann man daraus auf einen bestimmten “Reifegrad” der Blogszene schließen? Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass Amerikaner selten von Angesicht zu Angesicht über Politik und Religion sprechen (das ist geradezu ein Tabu). Da ist es naheliegend, sich verstärkt darüber in Blogs auszulassen. Die Deutschen haben da ihre Kneipe (obwohl da auch selten etwas Vernünftiges bei rumkommt…)
4 Antworten auf “Deutsche Blogger - unpolitisch und unreif?”
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12.4.2008 bei 21:34
ich hätte gern gewusst, welche schlagworte als variable für die zu messende politische dimension gelten.
und dasss man sich mit amerikanern überhaupt über was unterhalten kann - ich meine ernsthaft und aufrichtig, ist mir sowie neu - die, die ich kennen gelernt habe- also in ihrem eigenen land - hatten eigentlich nur titties and beer im kopf. und, da ich auf dem land war, noch das kiffen. aber das war 1976, da bin ich extra zur 200 jahr feier hin (wie hochpolitisch eigentlich, die familie allesamt jimmy carter freunde, ich war sogar auf einer political convention - und, was haben wir dort getan? richtig, kostenlos gefressen und gesoffen und der gouverneur von süd dakota hat mir was von den guten deutschen bröatschens vorgeschwärmt….
war das jetzt mal ein hochpolitischer bikultureller blogbeitrag, der die quote sprengen und eine lanze fürdeutschlands blogger brechen kann?
und vielleicht meinte sie, dass die blogger und die journalisten selten furchtlos (sic!) miteinander diskutieren
12.4.2008 bei 21:57
Die Schlagworte kannst Du dem Artikel aus der Netzeitung entnehmen, es waren George Bush, Irak, Saddam Hussein, Angela Merkel, Terror und wohl noch einige andere.
1976 warst Du 30 Jahre jünger, der Gouverneur hat sich sicher nicht so sehr für deutsche Brötschens interessiert … war da was?
13.4.2008 bei 20:14
Markus Beckedahl, der den Blog Netzpolitik.org betreibt, hat ähnliche Bedenken wie ich: “Wenn man ein politisches Blog betreibt, bzw. sich mit Politik im Netz beschäftigt, wird man seit fünf Jahren gefragt, wieso das alles nicht so politisch wie in den USA ist. Die Antworten fallen mittlerweile etwas routinierter aus, weil einige Gründe relativ logisch sind:
* Erstmal haben die USA dreimal soviele Einwohner. Und viele Deutsche können US-Blogs lesen, umgekehrt ist das aufgrund der Sprachbarriere nicht so einfach. Mit anderen Worten: Deutsche Blogs erreichen theoretisch höchstens 100 Millionen, während US-Blogs theoretisch 1-2 Milliarden Leser erreichen können.
* Digitale Technologien werden in der Regel gerne früher in das Leben der US-Amerikaner integriert, Deutsche gelten als etwas konservativer.
* Die Medienkonzentration in den USA ist schon viel grösser und nach dem 11. September und dem Irak-Krieg gab es ein Vakuum an kritischen Positionen im Medienbetrieb. Dies führte dazu, dass Nischen von Blogs gefüllt wurden. In Deutschland kann man sich immer noch von linksradikal bis rechtsradikal die eigene Tageszeitung füs Weltbild kaufen.
* In den USA ist es gesellschaftlich normal, dass man sich zu einer Partei / einem politischen Kandidaten bekennt. In Deutschland ist das leider nicht so.
Aber kommen wir mal zu dem Netzeitungs-Artikel:
Der Grad der Politisierung dokumentiert insofern die Professionalisierung, als Themen außerhalb des ganz privaten Wahrnehmungsbereichs ein weitaus größeres Publikum ansprechen sollen und auf Wirkung außerhalb der Privatsphäre angelegt sind. Überprüft wurde durch eine differenzierte Stichwortanalyse, bei der z.B. die Häufigkeit von Begriffen wie «Irak», «George Bush», «Angela Merkel» oder «Terror» und «Saddam Hussein». Das Ergebnis ist prägnant: Keines der zahlreichen abgeprüften politischen Themen findet in mehr als einem halben Prozent der deutschsprachigen Blog-Einträge Verwendung, bei den US-amerikanischen in mehr als zehnmal soviel.
Wundert sich jemand über die untersuchten Stichwörter? Ich denke, dass es ein signifikanter Unterschied ist, ob man US-Blogs und DE-Blogs nach Stichwörtern wie «Saddam Hussein» und «Irak» durchsucht. Das ist das grosse Problem und politische Thema der USA. Da hat ihre Regierung grossen Mist angerichtet und die eigenen Soldaten sind vor Ort. Es wundert mich nicht, dass diese Themen in den US-Blogs zehnmal soviel vorkommen. Zumal die USA dreimal mehr EInwohner haben. Eher wundert es mich, dass die Zahl nicht viel höher ist.
Würde man andere Begriffe wie Datenschutz, Vorratsdatenspeicherung oder Online-Durchsuchung verwenden, käme man definitiv zu einem anderen Ergebnis. Das sind seit einiger Zeit die politischen Themen der deutschen Blogosphäre und die Themen sind nicht so stark in den US-Politik-Blogs. Aber hier würde ich gerne mal die Original-Studie lesen, vielleicht sind ja noch andere Wörter verwendet worden als in dem Artikel zitiert. Und irgendwie muss man ja wissenschaftlich-methodisch da ran gehen.”
14.4.2008 bei 09:07
da sieht man mal wieder, wie eng doch heutzutage der begriff “politisch” gefasst wird.
bei uns wären dann wohl neben merkel und afghanistan noch hartz iv ein weiteres indiz….