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Steilvorlage
Nun hat also auch die Informations- und Kommunikationsbranche das Thema Klimawandel und Umweltschutz entdeckt. Auf der diesjährigen Computermesse CeBIT in Hannover konnte man sich nicht retten vor dem Schlagwort Green IT, der grünen Informationstechnologie. Und, ganz erstaunlich: Jeder, aber auch wirklich jeder namhafte Aussteller bekräftigt, den Umweltschutz und die Verminderung von CO2-Emissionen schon längst zu praktizieren - man habe es nur nicht genügend kommuniziert.
Die Branche schlägt damit gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Erstens bringt sie sich mit einem globalen Thema äußerster Tragweite in Verbindung, das ohnehin in aller Munde ist - so bleibt man im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit. Zweitens kann man die Klimadiskussion als Verkaufsargument benutzen, denn selbstverständlich lässt sich nur mit neuester IT-Hardware wirklich Energie sparen. Drittens kann die Branche sogar behaupten, der wahre Umweltschützer zu sein. Denn IT ist bekanntlich eine Querschnittstechnologie. Ihr Einsatz kann auch in allen anderen Branchen helfen, effizienter und verantwortungsvoller mit Energie und Ressourcen umzugehen. Und schließlich kann man noch einen Teil der Verantwortung indirekt auf die Millionen Anwender abwälzen, denn die nutzen ja bekanntlich die intelligenten Stromspartechniken, die ihnen die Branche bietet, gar nicht richtig aus.
Man sieht: Um Argumente, dass man im Grunde seines Herzens schon immer grün und umweltbewusst war, ist die Branche wahrhaftig nicht verlegen. Doch das ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Zu Recht weisen die Umweltschutzorganisationen darauf hin, dass die Formel “Geen IT gleich Stromsparen” viel zu kurz gegriffen ist. Bei IT-Produkten muss schließlich der gesamte Lebenszyklus berücksichtigt werden.
Das fängt bei der Rohstoffgewinnung an, geht über die Herstellung der Produkte bis zu ihrer Nutzung und Entsorgung. Und da liegt noch vieles im Argen. Bei der Rohstoffgewinnung wird oft keinerlei Rücksicht auf Umwelt und Bevölkerung genommen, bei der Produktion, die oft genug in Entwicklungsländern stattfindet, herrschen katastrophale Arbeitsbedingungen, werden immer noch zu viele Umweltgifte verwendet: Antimon, Beryllium, bromierte Flammschutzmittel, Blei, Zink, Quecksilber und PVC, das Dioxin freisetzen kann. Und die Entsorgung des Elektroschrotts schließlich ist ein gigantisches schwarzes Loch, in das jährlich bis zu 50 Millionen Tonnen wandern. Die Europäische Union ist in Sachen Elektroschrott-Entsorgung und Verbot gefährlicher Chemikalien relativ fortschrittlich - und selbst die weiß nicht, wo drei Viertel des in Europa anfallenden Elektroschrotts landen.
Man sieht: Es gibt noch viel zu tun. Im Grunde müssten die Umweltschutzorganisationen der IT-Branche dankbar sein. Denn sie hat den Umweltschützern auf der CeBIT mit dem neuen Medienhype eine Steilvorlage geliefert. Die IT-Branche sollte nun in die Pflicht genommen werden, wirklich grüne Informationstechnologie abzuliefern. Und das darf sich nicht auf einige Stromspar- Funktionen reduzieren. Green IT muss von A bis Z praktiziert werden - vom Anfang bis zur Entsorgung.
1 Antwort auf “Steilvorlage”
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13.3.2008 bei 15:54
Na ja. Muss ich mir erst mal durchlesen, was Du da so schreibst!