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Buchtipp: Kassensturz
Rudolf Hickel: Kassensturz. Sieben Gründe für eine andere Wirtschaftspolitik. Rohwolt Sachbuch, 255 Seiten, 14,90 Euro. Eine gewisse Seelenverwandtschaft zu Gustav A. Horn lässt sich nicht verleugnen: Beide Autoren erklären die angebotsorientierte, neoliberale Wirtschaftspolitik, die den Unternhmern Zucker in den Arsch bläst und den Arbeitnehmern Verzicht predigt, für gescheitert. Aber welch ein Unterschied zu Gustav A. Horns Deutscher Krankheit (s.u.): dieses Buch ist wirklich lesbar! So klar und verständlich geschrieben, dass selbst Politiker begreifen müssten, was sie seit 30 Jahren falsch machen. Eine Kostprobe? “Fast alle wichtigen Parteien, die meisten Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmen und Verbände, der Großteil der Medien - sie alle stimmen in den großen Gesang ein, der das heißt: Verzichtet, so wird euch gegeben, die Letzten werden die Ersten sein. In der Ära Schmidt wurde das Libretto geschrieben, in der Ära Kohl war die Uraufführung, in der Ära Schröder wurde das Stück mit wagnerianischer Wucht neu inszeniert, und Frau Merkels Große Koalition werkelt gerade an der Fassung für die neue Spielzeit. Man sollte das Stück endlich absetzen.”Und dafür liefert Hickel gute Argumente. Schade nur, dass die Politik vermutlich nicht auf ihn hören wird. Denn Hickel hat sein Label als Außenseiter längst weg: Er ist Direktor des Instituts für Arbeit und Wirtschaft in Bremen und Mitautor des jährlichen Alternativen Wirtschaftsberichts - er gilt mithin als Außenseiter. Genauso wie Gustav Horn. Der war bis vor zwei Jahren Leiter der Konjunkturabteilung beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin, bis er dort wegen seiner nachfrageorientierten Überzeugungen herausgeekelt wurde. Dafür hat ihm der Deutsche Gewerkschaftsbund in Düsseldorf ein eigenes Institut eingerichtet: Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung. Mithin hat auch Horn sein Label weg: “Das ist doch das Sprachrohr der Gewerkschaften.”
Und beide kämpfen wie Don Qichotte gegen eine Lehrmeinung, die längst zur unangreifbaren Ideologie mutiert ist. Hält man nämlich Neoliberalen vor, dass ihre Rezepte nicht zum Erfolg, sondern zu mehr Schulden und mehr Arbeitslosigkeit geführt haben, bekommt man selbstverständlich zur Antwort, das läge nur daran, dass die Politik die neoliberalen Rezepte nicht konsequent genug durchgesetzt habe. Deshalb: Noch mehr Löhne runter, noch mehr Arbeitszeit ohne Lohnausgleich, noch weniger Steuern für Unternehmen, noch weniger Kündigungsschutz.
Eine sich selbst immunisierende Tautologie nennt Hickel diese iderologischen Glaubenssätze der Neoliberalen - und da ist man scheinbar machtlos. Aber wer weiß - vielleicht erleben die Lehren eines John Manyard Keynes mal eine Renaissance. Von 1950 bis 1974 hat das jedenfalls sehr gut funktioniert. Da ist der Staat, wenn’s kriselte, als starker, selbstbewusster Nachfrager aufgetreten und hat der schwächelnden Konjunktur expansive Impulse gegeben. Aber damals gab es ja auch noch nicht die idiotischen Maastricht-Kriterien…
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