Bee Movie – eine etwas andere Geschichte

Jungbiene Barry B. Benson hat gerade das College absolviert. Nun winkt ihm eine Karriere bei – nein, nicht bei Honex, sonderen bei Swarm Creativity! Die verstehen sich nämlich bestens auf das coolhunting und coolfarming und haben im Frühjahr ein Buch zur (Schwarm-) Kreativität von sozialen Netzwerken veröffentlicht. (Peter A. Gloor, Scott M. Cooper, 2007: Coolhunting. Chasing Down The Next Big Thing, Amacom)
Darin erläutern sie, wie man mit Hilfe der sozialen Netzwerkanalyse Trends identifiziert und via Web 2.0 zu Innovationen weiterentwickelt: Summ, summ, summ, Bienchen summ herum.
Nein, ernsthaft: es lohnt sich reinzuschauen (www.swarmcreativity.net). Denn immerhin haben das auch Unternehmen wie IBM oder die Telekom getan und Peter A. Gloor im September eingeladen (www.future-network.at).

5 Antworten auf “Bee Movie – eine etwas andere Geschichte”

  1. rolf sagt:

    Uff, schwere Kost. Coolhunter sind wohl das, was man früher als Trendscouts bezeichnet hat. Beim Coolfarming wird’s ein wenig diffuser: “Der Einsatz von Schwarmkreativität in Innovationsnetzwerken”, heißt es auf galaxyadvisors.com, eine Firma, die verspricht, dass aus ihren Kunden nicht nur Stars werden, sondern dass sie Galaxien beherrschen. Du meine Güte. Schwarmintelligenz, so habe ich es im Bio-Unterricht gelernt, heißt nichts anderes, als dass die einzelnen Mitglieder des Schwarms doof wie die Nacht sein können, ihre Aktionen untereinander (ja, ja, der Schwänzeltanz, summ summ summ) aber zu einem optimal angepassten Gesamtsystem führen. Wohlgemerkt: Angepasst zum Überleben in wechselnden Situationen! Also eine Reaktion der gesamten Bienenpopulation, nicht aber eine Aktion oder gar Innovation! Sorry, aber mir kommt der Verdacht, dass uns da ein paar amerikanische Schwänzeltäzer ein neues Buzz-Word in die Ohren pusten wollen, auf dass wir alle in Ehrfurcht verstummen.
    Übrigens: Bioalgorithmen, wie sie sich in Bienenvölkern abspielen, haben Wissenschaftler schon seit mindestens 2003 erfolgreich auf konkrete Probleme angewendet. Bienenvölker und Serverfarmen im Internet haben nämlich exakt das gleiche Problem: Sie müssen mit begrenzten Ressourcen auskommen. Die einen suchen Nahrung und haben dafür nur eine begrenzte Zahl an Barry B. Bensons zur Verfügung, die anderen suchen freie Bandbreite. Wendet man die Schwarmintelligenz der Bienenvölker auf Serverfarmen an, bekommt man bessere Ergebnisse als jeder bislang bekannte mathematische Algorithmus (c’t, Ausgabe 26, Seite 56). Aber auch hier: Nur eine Reaktion auf veränderte Bedingungen (Nahrungsquellen wegen Sturm und Regen unerreichbar, Bandbreite wegen Ausfall von Knoten oder verändertem Surfverhalten knapp). Eine Reaktion ist keine Innovation, durch Schwarmintelligenz werden die Werbefuzzis nicht automatisch auf einen höheren Stand der Erkenntnis gehoben, oder?
    Sorry, aber ich lasse mich gerne eines Besseren belehren!
    Gruß Rolf
    P.S. Wie denkst Du über eine Neujahrswanderung?

  2. rolf sagt:

    Habe übrigens einen netten Arikel auf monster.de zum Thema Schwarmintelligenz gefunden: Gemeinsam sind wir klüger . Aber auch der beseitigt meine grundsätzlichen Zweifel nicht.

  3. g.frank sagt:

    Okay, bleiben wir – auch zur Weihnachtszeit – auf dem Boden, statt in Galaxien zu schwärmen: Die soziale Netzwerkanalyse ist dann der Trendscout, Barry B. Benson der identifizierte Trendsetter und die coolfarm die Online-Plattform, die Berry die Möglichkeit gibt, neue Kontakte zu knüpfen und für seine Idee zu begeistern. Läuft dann alles im Sinne des Erfinders (bzw. stimmen die (Erfolgs-) Faktoren und darunter nicht zuletzt der soziale Faktor), tragen die neuen Kontakte zum Aufbau des Netzwerkes bei. Mehr noch: einige der Kontakte nutzen das Informationsnetzwerk zum Austausch, steuern ihr Wissen bei und arbeiten zusammen – es entsteht Wikipeda z.B. oder Linux. Doch derartige Erfolgsprojekte sind keine Selbstläufer – erst recht keine technologischen oder biologischen a la: Man nehme Social Software und das Bienchen brummt. Deshalb bin ich gespannt, welche sozialen Faktoren Peter Gloor und Scott Cooper als wichtig erachten. Dafür muss ich das Buch aber erstmal lesen. Aufmerksam geworden bin ich erstmal nur, weil sie sich der s o z i a l e n Netzwerkanalyse bedienen, statt (Bio-) Erbsen zu zählen.

  4. g.frank sagt:

    Habe den Artikel „Gemeinsam sind wir klüger“ auf monster.de gelesen. Dabei drängte sich mir recht schnell die Frage auf: Wer ist wir? Für die Autorin liegt die Antwort wohl auf der Hand. Ihr zufolge sind wir eben wir plus Führungskräfte. Allerdings scheint mir diese Antwort mehr über die Herkunft der Autorin, als etwas Neues zu verraten: „Mir sann mir“ = bayerische / „plus Führungskräfte“ = Unternehmensberaterin oder Mitarbeiterin einer Personalabteilung – mit Peter Gloor hat diese Antwort aber nur wenig zu tun.
    Mitarbeiter sind nicht nur Mitarbeiter. Sie haben ein Privatleben mit vielseitigen Pflichten, Aufgaben, Interessen. Sie haben Familie, Nachbarn, Freunde, lockere Bekannte, kennen jemanden, der einen kennt, der was für sie Interessantes erzählt hat (z.B. wo `ne Stelle frei wird). Kurz: reale Netzwerke gehen über die von Personalentwicklern bedachten Grenzen des Unternehmens hinaus. Da sind viele Unternehmen längst besser beraten und die Mitarbeiter reden mit ihren Kunden! Doch aufgepasst: Kunden reden mit Nicht-Kunden, und dies ist mit Web 2.0 jetzt einfacher denn je!

  5. rolf sagt:

    Schön, wenn man davon ausgehen kann, dass es in deutschen Unternehmen noch Personalentwickler gibt, auch wenn Du meinst, sie hätten einen etwas eingeschränkten Horizont. Was meine Firma angeht: Dort hat es nie einen Personalentwickler gegeben, stattdessen herrscht seit einigen Jahren der Eindruck in der Belegschaft, es gebe gleich mehrere Personalabwickler. Der Anspruch: Wir sind in Sachen Qualitätsjournalismus die Nummer Eins. Die Wirklichkeit: Hier eine Planstelle weg, da eine Planstelle weg. Hier hast Du das Geld für eine Blockhütte - bau’ mir eine Villa!

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