Hinter Köln beginnt nicht die Hölle

meisner.jpg Eigentlich ist ja etwas Journalistenschelte angebracht. Joachim Kardinal Meisners Satz, der ihn für die Medien abschussreif gemacht hat, lautete: “Dort, wo die Kultur von Kultus, von der Gottesverehrung abgekoppelt wird, erstarrt der Kultus im Ritualismus und die Kultur entartet.” Er hat also nie von “entarteter Kunst” gesprochen, wie das die Medien gerne verkürzt darstellen. Das Verb “entarten” (nicht das Adjektiv im Zusammenhang mit Kunst) kann wohl schlecht aus dem deutschen Wortschatz gestrichen werden, es steht nach wie vor im Duden, also wird man es wohl weiterhin gebrauchen können. Andererseits: Woher nimmt dieser Mann das Recht zu fordern, Kunst müsse immer einen Gottesbezug haben? Kein Künstler wird sich diese Bevormundung gefallen lassen. Hätten sie es bislang getan, wäre die Kulturgeschichte bestimmt um viele Kunstwerke ärmer. Oder, wie es in einem Leserbrief im Bonner General-Anzeiger heißt: “Die Anmaßungen mancher Kirchenoberen sind gelegentlich unerträglich. Die Kirche hat die Kunst, die Menschlichkeit und die Solidarität unter den Menschen nicht allein gepachtet. Menschen außerhalb der Kirche sind nicht ohne Moral und Ethik. Hinter Köln beginnt nicht die Hölle!”

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